
1886-1914
Die Gründung der Philisteria mercatura Augsburg erfolgte im Jahr 1886 durch 12 Absolventen des Jahrganges 1883 der Privatlehranstalt des Handelslehrers Johannes Stahlmann. Ein rascher Anstieg der Mitgliederzahlen erforderte im laufe der Jahre immer wieder den Wechsel des Vereinslokales, bis 1910 die Gaststätte des Saalbaues "Herrle" für zwanzig Jahre das Heim der Vereinigung wurde. Die einzelnen Feste und Veranstaltungen gewannen im Lauf der Zeit im Gesellschaftsleben Augsburgs ein hohes Ansehen. Zum 25. Stiftungsfest am 23.-25. September 1911 zählte die Philisteria mercatura 230 Mitglieder.
1914-1918
Während des Ersten Weltkrieges verlor die Philisteria mercatura viele ihrer Mitglieder und fristete in der Heimat ein kümmerliches Dasein. Einige wenige treue Freunde erhielten das Verbindungsleben am Leben und schafften es, daß Kontakte zu Bundesbrüdern an der Front vereinzelt aufrechterhalten werden konnten.
1919-1932
Im Jahre 1919 erschien das erste Nachrichtenblatt, das unserer Philisteria mercatura neuen Aufschwung gab. Die Jugend mußte nach dem Ende des Krieges die Vereinigung wieder neu aufbauen. Es gelang, dem Freundschaftsbund zu höchster Blüte zu verhelfen. Aus der Zeit von 1920 bis 1930 wird von gelungen Großveranstaltungen und Festen berichtet, die jeweils von 500 bis 700 Teilnehmern frequentiert wurden. Es entstand eine eigene Musikkapelle und eine Gesangsgruppe. Im Jahre 1921 wurde eine eigene Bücherei gegründet, die zehn Jahre später über 300 Bände guter deutscher Literatur umfaßte. Der Wunsch nach einem Landheim wurde 1927 durch die Anmietung eines Häuschens in Maingründel bei Kutzenhausen realisiert, wo die Bundesbrüder mit ihren Familien und Freunden die Wochenenden verbringen konnten.
1933-1945
Die nationalsozialistische Machtübernahme 1933 ging auch an der Philisteria mercatura nicht spurlos vorbei. Es galt, trotz den Bestrebungen der Nationalsozialisten alle Korporationen in Deutschland aufzulösen, den Weiterbestand zu gewährleisten. Bald verdüsterten sich die Aussichten auf eine friedliche Zukunft in zunehmenden Maße und 1939, mit Beginn des Zweiten Weltkrieges, wurde auch die Philisteria mercatura von schweren Erschütterungen heimgesucht. Das Vereinsleben kam fast völlig zum Erliegen. Nur wenige nicht waffenfähige Bundesbrüder brachten die Vereinigung über diese schweren Jahre. Das Ende dieses Krieges sah für die Philisteria mercatura schlimm aus: In der sogenannten Brandnacht des Jahres 1944, in der Augsburg von allierten Truppen bombadiert wurde, verloren wir unser Vereinsheim und mit ihm unser ganzes Hab und Gut. Alles war verloren: Die traditionsreiche Fahne mit über 50 Erinnerungsbändern, die gesamten Kneiputensilien, alle Kommersbücher, unsere Unterhaltungsbücherei, das Archiv und alle Unterlagen.
1946-1963
Mit neuem Mut begann man den Wiederaufbau der Vereinigung. Unendlich viel Kleinarbeit war erforderlich, um die Mitglieder zu erfassen, ein Mitgliederverzeichnis zu erstellen und die Verbindungen untereinander wieder herzustellen. Die Zeit heilte die geschlagenen Wunden und die Philisteria mercatura wurde bald wieder zu einem wesentlichen Faktor im studentischen und gesellschaftlichen Leben unserer Stadt. Aus der Vereinigung ehemaliger Handelsschüler wurde der Absolventenverband der Jakob-Fugger-Schule. Ein neues Banner wurde angeschafft und im Hohen Dom zu Augsburg geweiht. In Augsburg und weit darüber hinaus wurden Verbindungen zu zahlreichen kaufmännischen Absolventenverbänden geknüpft und Kontakte zu Augsburger und auswärtigen Kooperationen geschaffen. Die Philisteria mercatura setzte sich mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mittel ein, um die Schule nach dem Kriege wieder aufzubauen und unterstützte die Erweiterung zum Wirtschaftsgymnasium im Jahre 1963.
1964-1999
Mit dem Wandel der Jakob-Fugger-Schule zum wirtschaftswissenschaftlichem Gymnasium wandelt sich auch die Philisteria mercatura zum Abiturienten und Absolventenverband des Jakob-Fugger-Gymnasiums.
Als am 21.01.1973 unser Bundesbruder Ludwig Ritzler verstarb, vermachte er mit viel Weitblick der Vereinigung einen Teil seines Hausvermögens. Dieses Haus war aufgrund des schlechten Bauzustandes von der Stadt Augsburg bereits als unbewohnbar erklärt worden. Das Anwesen Wintergasse 7 gilt jedoch als kulturhistorisch und architektonisch wichtiger Bürgerhausbau, dessen Errichtung in die Aera des berühmten Augsburger Stadtbaumeisters Elias Holl fällt, so daß die Erhaltung nicht nur im Interesse unserer Vereinigung ein Gebot der Stunde war. Der Bau wurde im 17. Jahrhundert für den Bruder der Philippine Welser als Stadtpalais errichtet. Der Innenhof mit italienisch anmutenden Laubengängen und einem freitragenden Treppenhaus, sowie die Renaissancefassade zum Hunoldsgraben stammen noch aus dieser Zeit.
Viele Bundesbrüder gingen daran, den Wiederaufbau des Hauses in die Wege zu leiten und durchzuführen. Am 1. Juli 1977 konnten dann acht neu gestaltete Wohnungen, die mit Sozialmitteln gefördert wurden, von Studenten und Studentenehepaaren bezogen werden. Das Erdgeschoß ist gewerblich genutzt. In den Kellern sind drei Räume neben sanitären Einrichtungen und einer kleinen Küche entstanden - insgesamt ca. 180 qm - die sich für die Veranstaltungen der Philisteria mercatura als ideal erweisen.
2000
Den Zielen der 1886 gegründeten Vereinigung ist die Philisteria mercatura bis heute treu geblieben. Diese Ziele haben sich als zeitlos erwiesen und sind stellenweise heute aktueller denn je. Die Philisteria mercatura wird auch in Zukunft die in der Schule geschlossenen freundschaftlichen Beziehungen fördern, sich untereinander im Berufsleben mit Rat und Tat beiseite stehen, kaufmännisches und allgemeines Wissen fördern, gediegene Geselligkeit pflegen und mit der Schule jederzeit in engem Kontakt bleiben. Die heute insgesamt 400 Mitglieder blicken zuversichtlich in ihre gemeinsame Zukunft.
Vivat, crescat, floreat Philisteria mercatura!