Chronik

„Wir leben in einem Zeitalter der Organisationen. Auf allen Gebieten des Lebens, in den Kreisen derer, die wirtschaftliche Interessen verfolgen, in den Kreisen derer, die geistige, künstlerische, ideale Zwecke sich zur Lebensaufgabe machen, überall erkennt man, dass nur die Vereinigung den Erfolg verbürgt , überall hat man erkannt die Wahrheit des Sprichwortes: Einigkeit macht stark. Aber nicht all diesen Vereinigungen ist es vergönnt, über Anfänge hinaus zu kommen; viele, vielleicht die meisten, wurden im Blütenjahre geknickt; darum gereicht denen, die alle Stürme überdauern, dies wohl nicht zu geringem Lob“. (BB August Diem, 1907) 

Im Jahre 1879 war es Johann Stahlmann, der, nachdem sich Augsburg bereits seit 1836 mit wechselndem Erfolg um die Errichtung einer Handelsschule bemüht hatte, die Initiative ergriff: Er gründete die „Allgemeine Handelslehranstalt“, aus der bereits zwei Jahre später die „Höhere Handelsschule“ hervorging. Die 12 Absolventen des Jahrganges 1886 gründeten im Sommer desselben Jahres die Philisteria mercatura und legten somit gemeinsam mit den drei vorausgegangenen Jahrgängen das Samenkorn in die Erde, aus dem schon bald Großes erwachsen sollte. Ziel der neugegründeten Absolventenvereinigung war die in der Schule geschlossenen Freundschaften weiter zu pflegen, sich im Berufsleben durch Rat und Tat nach besten Kräften zu unterstützen, kaufmännisches und allgemeines Wissen durch Vorträge zu erweitern, gediegene Geselligkeit und vaterländische Gesinnung zu pflegen, sowie bestrebt zu sein mit der Schule alle Zeit in engster Verbindung zu bleiben. Um den Grundsätzen auch äußerlich sichtbaren Ausdruck zu verleihen wurden die Farben „Blau-Gold-Blau“ gewählt und der der Zeit entsprechende und in Anlehnung an die Tradition der Burschenschaften stammende Wahlspruch „Ehre-Freiheit-Vaterland“ übernommen. Der ehemalige „Oswaldgarten“ an der Frölichstraße war das Kneip-Domizil der ersten Jahre, in denen sich die Mitglieder der jungen Absolventenverbindung regelmäßig zur wöchentlichen Zusammenkunft trafen -  es war der Anfang einer ersprießlichen Entwicklung.

 

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Ausflugsgesellschaft der Philisteria mercatura 1895 (vermutlich in Weiden)

 

Nach zehnjährigem Bestehen erhielt die Vereinigung im Jahre 1896 ihr erstes stolzes Banner, bei dessen Weihe die 1889 gegründete  Vereinigung der Absolventen der Oberrealschule Augsburg Pate gestanden war. Zur Jahrhundertwende zählte die Philisteria mercatura bereits 120 Mitglieder, nur zehn Jahre später hatte sich die Mitgliederzahl bereits verdoppelt. Im Jahre 1911 feierte die Vereinigung ihr 25jähriges Bestehen im damaligen Bamberger Hof, ein Fest „von seltener Begeisterung und aufopfernder Liebe erfüllt“, wie es im damaligen Jahresbericht hieß. Aufgrund des raschen Anwachsens der Vereinigung hatten sich die Bundesbrüder zu dieser Zeit bereits im Saalbau Herrle einquartiert, der bis 1930 Verbindungsheim bleiben sollte.

Im Sommer 1914 unterbrach der Ausbruch des 1. Weltkrieges abrupt und unheilvoll das Verbindungsleben. Besonderer Dank gebührt jenen, die in diesen schweren Zeiten die Geschicke der Philisteria mercatura lenkten, den Kontakt zu den Freunden an der Front nicht abreißen ließen und diese mit Paketen versorgten. Einen Einblick in die Wirren dieser Zeit geben die noch teilweise erhaltenen Feldpostmeldungen: 12.12.1914Meine lieben Mercaturen. Herzlichen Dank für Eure Liebesgaben, die ich mit Freuden empfing. Ich wollte mit Euch, diese Zeit wäre vorbei, um wieder unter Euch weilen und für Euch wirken zu können. Hoffentlich dauert’s nicht mehr all zu lange.“ 18.12.1914 „Kameraden! Euch allen sende ich vom regenfeuchten, ungemütlichen Schützengraben, 40 m vom Feind entfernt, die herzlichsten Weihnachtsglückwünsche. Meine Finger sind so steif, dass ich kaum schreiben kann. Bier gibt es nicht, so rufe ich Euch mit Kaffee ein urkräftiges Prost zu.“ Während des Ersten Weltkrieges verlor die Philisteria mercatura viele ihrer Mitglieder – 47 Bundesbrüder fielen im Felde oder erlagen den Spätfolgen des Krieges.

Aber auch den Heimgekehrten erging es schlecht: Nach dem zermürbenden Stellungskrieg des ersten Weltkrieges erwarteten die Zurückgekehrten die harten Nachkriegsjahre mit allen Konsequenzen aus dem geschlossenen Versailler Vertrag. In einem der seit 1919 erscheinenden Nachrichtenblätter beschreibt BB Karl  Schmid die Folgen dieser Zeit: „Die Geldnot bei dem Einzelnen wirkt sich auch auf das Ganze aus. Ferner können wir über die hinter uns liegende Faschingszeit nichts besonders Vorteilhaftes für unsere Verbindung berichten. Wir waren aus unserem Vereinigungslokal verbannt und haben uns bei unseren Mitgliedern, welche Gaststätten besitzen, zusammengefunden, manchmal wohl recht spärlich. Wir haben alle uns selbst im Getriebe der Zeit verloren. Vergeblich suchten wir in hastender Geschäftigkeit und tönenden Redensarten die Leere des eigenen Ichs zu verbergen. Selbstbesinnung ist da der einzige Ausweg, Rückkehr wieder zu uns selbst, Kultur der Persönlichkeit. So wollen wir in altbewährter Treue uns wieder sammeln zu ernstem Tun und unser Vereinigungsleben wieder gestalten nach dem Bilde, das uns in Reinheit der edelsten Freundschaft und Brüderlichkeit vorschwebt.“  Die Freundschaftsbande hielten stand.  BB Josef Wurmsee erinnerte sich rückblickend: „Hatte auch der Sturm die Not der Kriegs- und Inflationsjahre dem Lebensbaum unserer Vereinigung stark zugesetzt, war auch mancher Zweig verdorrt und viele Blätter welk geworden, die Wurzeln lockerten sich nicht, der starke Stamm trotzte allen Wind- und Wettergefahren. Absolvia reihte sich an Absolvia und allmählich entwickelte sich wieder das alte gewohnte Vereinigungsleben.“  Die Jugend begann den Wiederaufbau, der Bund erstarkte von Neuem und erlebte in den Nachkriegsjahren ungeahnte Blüte. Bereits 1920/21 waren an 12 Couleurkneipen durchschnittlich 54 Teilnehmer, an den 50 Kegelabenden durchschnittlich 15 Personenanwesend.

 

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Gruppenbild von 1925

 

Neben den Stiftungsfesten und Couleurkneipen trafen sich die Bundesbrüder auch wieder regelmäßig zu unterhaltenden und belehrenden Vorträgen, gesanglichen und musikalischen Übungsabenden, Altherren-Abenden, Wanderungen, Kegelsport sowie kleineren und größeren Veranstaltungen, beispielsweise einem „Alt-Heidelbergfest“ auf dem Lueg ins Land 1922, einem Schubert-Abend 1928 und zu ungezählten anderen Faschings-, Weihnachts- und Frühlingsbällen. In Erinnerung an die Not während des Krieges wurde eine Notfondskasse zur Unterstützung arbeitsloser und bedürftiger Bundesbrüder gegründet. 1927 ging es an die Verwirklichung des Landheimgedankens und auf den sonnigen Hügeln zwischen Roth- und Schmuttertal, umstanden von tiefem Forst und saftigen Wiesen, entstand in Maingründel ein schmuckes Landheim. Im Hüttenbuch finden sich, beherrscht man die altdeutsche Schrift, ein schönes Leitsprüchlein: „ Ich kenn ein Haus im Grünen/ So lieblich, traut und fein/Dort lässt sich’s sorglos leben /Nach tagelanger Pein. /In unserem Landheim Häuschen /Wo treue Freundschaft blüht, /Ist jeder gern willkommen / Dess’Herz für Philma glüht“.“ 


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Wochenende in Maingründel - Musikalische Zusammenkunft vor dem Landheim 1931

 

Weiter findet man viele Ausflugstage gewissenhaft abgetragen und aufgereiht:  „Bei herrlichem Frühlingswetter traf sich schon am Samstagabend im Heim eine nette Anzahl treuer Landheimfreunde. Ein Musikquartett (Violine, Gitarre, Mandoline und Flöte) bereitete einen lustigen Abend, so dass es bereits Mitternacht war, ehe man ans Schlafengehen dachte. Alles  träumte einem wunderschönen Sonntagmorgen entgegen.“  (aus dem Bericht des Wochenende 26/27. April 1930).

 

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Sommerfest im Landheim 1932

 

Leider währte die Blütezeit nicht all zu lange. Die zunehmend um sich greifende allgemeine Wirtschaftskrise forderte nicht nur jedem Einzelnen Opfer ab, sondern ließ in der Folge verstärkt das Verbindungsleben erliegen. Auch der Schule, die die Stadt Augsburg im Jahre 1922 in ihre Verantwortung übernommen hatte, drohten harte Zäsuren. In einer an den Stadtrat gerichteten Eingabe bezüglich des geplanten Abbaus der Städt. Höheren Handelsschule Augsburg bezog die Philisteria mercatura 1932 Stellung:  „Die in der Philisteria mercatura vereinigten 465 ehemaligen Absolventen der Städt. Höh. Handelsschule haben mit dem Gefühl erregter Anteilnahme von dem geplanten Abbau der bewährten 6-klassigen Anstalt auf eine nur 3-klassige Aufbau-Fachschule vernommen. Sie möchten nicht versäumen, in diesem Augenblick, der über den Bestand einer 54jährigen für Augsburg notwendigen Anstalt entscheiden soll, sich der Abwehrfront einzufügen und Einspruch zu erheben gegen die Maßnahmen, die der lähmende Augenschein des Tages anzuordnen droht, die aber kaum vor einer objektiv kühlen Prüfung aller Gründe, der materiellen wie ideellen, werden bestehen können.“  Die Eingabe hatte Erfolg und das 6-klassige Schulmodell wurde beibehalten. Durch die nationalsozialistische Machtübernahme 1933 wurde die Philisteria mercatura von schweren Erschütterungen heimgesucht. Der Zeitgeist brachte es mit sich, dass sich bisher gute Freunde entfremdeten und sich Lebenswege trennten. Die Philisteria mercatura musste ihre Farben ablegen, das Landheim wurde zum Schulungslager der Nationalsozialisten. In diese unseligen Zeiten hinein fiel das 50. Jubiläum unseres Bundes, das 1936 im Herrlesaal unter der Teilnahme von etwa 500 Ehemaligen trotz widriger Umstände, den verqueren politischen Anschauungen Rechnung tragend, gefeiert wurde. Bald verdüsterten sich die Aussichten auf eine friedliche Zukunft in zunehmendem Maße und 1939, mit Beginn des Zweiten Weltkrieges, kam das Vereinsleben fast völlig zum Erliegen. Nur wenige nicht wehrfähige Bundesbrüder brachten die Vereinigung über diese schweren Jahre. In der Bombennacht des Jahres 1944 wurde nicht nur das Schulgebäude sondern auch das Vereinsheim zerstört und mit ihm ging jegliches Hab und Gut, die traditionsreiche Fahne mit über 50 Erinnerungsbändern, die gesamten Kneiputensilien, alle Kommersbücher, die Bücherei, das Archiv und alle Unterlagen verloren. Einen Einblick in den erneuten Wiederaufbau gibt BB Schorsch Schaidl: „Gottfried Kellers Wort galt hier für uns: „Schwer ist das Aufstehen wohl nach einem solchen Sinken.“ Und doch, die alten Freunde hielten immer noch und wieder zusammen und neue, junge Kräfte kamen Jahr für Jahr hinzu und setzten Ihre ganze Ehre und ihren jugendlichen Schwung ein für den Wiederaufbau und Fortbestand des Freundesbundes.“

Gezeichnet von den Eindrücken des Krieges begann ein zähes Ringen um eine neue Form des Vereinslebens. Nur wenige Mitglieder plädierten für eine Rückkehr zur burschenschaftlichen Tradition, die Mehrheit konnte mit dem Wahlspruch „Ehre, Freiheit, Vaterland“ nicht mehr die Ideale von Treue und lebenslanger Freundschaft verknüpfen. Daher dauerte es bis zum Jahre 1953, ehe das studentische Brauchtum wiederkehrte und erneut regelmäßiger Bestandteil des Vereinslebens wurde. Ein neues Banner wurde angeschafft und im Hohen Dom zu Augsburg geweiht. 1954 errichtete die Stadt ein neues Schulhaus und verlieh der ehemaligen Städtischen Höheren Handelsschule den Namen Jakob-Fugger-Schule. Bereits 7 Jahre später, die Zeit des Wirtschaftswunders war angebrochen und die erste Schulreform nach dem Krieg stand bevor, wurde die Höhere Städtische Handelsschule, nicht zuletzt auf Drängen von Präsident BB Ludwig Pfister, zum wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasium ausgebaut, in dem erstmalig im Jahre 1963 die Abiturprüfung abgelegt werden konnte. Mit dem Wandel der Jakob-Fugger-Schule zum wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasium wandelt sich auch die Philisteria mercatura vom kaufmännischen Absolventenverband zum Abiturienten- und Absolventenverband. Auf die Nachkriegsjahre und den wirtschaftlichen Aufschwung folgte die Zeit der  mittlerweile sprichwörtlich gewordenen 68-er die ebenfalls Einfluss auf das Verbindungsleben hatten, wie sich Ehrenpräsident BB Georg Schneck erinnert: „Alles wurde in diesen Jahren in Frage gestellt, natürlich auch das Farbentragen, das heißt die Anlehnung der Philisteria mercatura an die Tradition der Burschenschaften. Es gab tiefgreifende Meinungsverschiedenheiten unter den Mitgliedern über den Weg in die Zukunft. Und wieder war es ein kleiner Kreis, der die Tradition rettete, in dem Bewusstsein, dass Tradition nicht bedeutet Asche zu bewahren, sondern das Feuer weiterzugeben.“  Ehrensenior BB Georg Attenberger, dem an dieser Stelle ein besonderer Dank gilt, war er es doch, der nach dem Krieg eine neue stattliche Aktivitas aufbaute und dieser in guten wie schlechten Zeiten vorstand und damit die Grundlage für ein weiteres gedeihliches Wachsen und Erblühen des Verbandes vorbestimmte, nahm in seiner Festrede zum 90. Stiftungsfest im großen Saal der Kongresshalle den Wahlspruch Ehre–Freiheit-Vaterland zum Thema: „Die Auswirkungen des neuen Zeitgeistes, der versucht alles Übernommene und gegebene als überholt und falsch einzustufen, beginnen einzudringen. Die abwegige und leichtfertige Verzerrung und Verfälschung der vaterländischen Auffassung in ihrer Verbindung mit Krieg und Tod ist nicht die unsere! Unser Begriff von Vaterland ist leben, wachsen, blühen und gedeihen! Und wir wissen, die Freiheit, das wertvollste im Leben, heute ein Schlagwort, abgenützt und ausgenutzt, in Missbrauch gebeugt bis zur totalen Forderung, heißt Verantwortung und verständliche Selbstdisziplin.“


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Ein zeitloser Klassiker: Die Faschingsfeiern der Philisteria mercatura

 

Im Jahr 1973 übergab Präsident BB Ludwig Pfister nach 33 Jahren sein Amt. Die Philisteria mercatura darf an dieser Stelle dankbar zurückblicken, denn seine Verdienste um unseren Freundschaftsbund, sind wie es BB Günter Krucky in seiner Chronik beschreibt, unvergänglich: „Ohne ihn wäre die Philisteria mercatura nicht das was sie seit 1945 war und heute ist.“  Im gleichen Jahr verstarb BB Ludwig Rietzler und eröffnete mit seinem Testament eine neue Epoche für den Verband. Die Philisteria mercatura wurde zum Teilerben eingesetzt und damit zum Anteilseigentümer des baufällig gewordenen „Rietzlerhauses“.  Unter der Präsidentschaft von BB Josef Distl konnte 1975 das alte Patrizierhaus aus dem 17. Jahrhundert schließlich komplett erworben werden. Die Augsburger Allgemeine titelte 1976: „Teure Denkmalspflege in der Wintergasse“ Im Artikel hieß es weiter: Eines der bedeutendsten Augsburger Bürgerhäuseraus der Zeit des Elias Holl soll nach jahrzehntelanger Verwahrlosung jetzt wieder zu Ehren kommen. Die rund 600 Mitglieder der ehemaligen Höheren Handelsschule und des späteren Jakob-Fugger-Gymnasiums fühlen sich verpflichtet, dieses Bürgerhaus wieder zu einem ansehnlichen Bestandteil der Altstadt werden zu lassen. Großer Wert wird bei der Sanierung des Gebäudes auf einen öffentlichen Zugang für die Bevölkerung gelegt. Stadtheimatpfleger Robert Pfaud schlug vor, den Innenhof so zu gestalten, dass er als kleiner Biergarten(…) mit Blick auf die hübsche Hoffassade und das wertvolle Treppenhaus genutzt werden kann. (…) Die „Philisteria mercatura“ selbst wünscht sich im gewölbten Untergeschoß (…) einen Versammlungsraum mit Teeküche.“ Viele Bundesbrüder gingen daran, den Wiederaufbau des Hauses in die Wege zu leiten und durchzuführen. Für die Sanierungsarbeiten wurden 130.000 DM wurden aus den eigenen Reihen gespendet, darüber hinaus wurde der Bau durch Zuschüsse der Stadt Augsburg, der Alt-Augsburg-Gesellschaft und dem Landesamt für Denkmalpflege gefördert – der Gesamtaufwand  belief sich auf 1.700.000 DM. Im November 1977 konnte im „Philisteria-Haus“, das von der Stadt aufgrund seines Bauzustands bereits als unbewohnbar erklärt worden war,  die erste Kneipe geschlagen werden. Das offizielle Ende der Sanierungsarbeiten wurde im September 1978 gebührend gefeiert.

Farbenzauber lag über der vollbesetzten Kongreßhalle“, wie es in den Nachbetrachtungen zum 100. Stiftungsfest der Philisteria mercatura 1986 nachzulesen ist.  Senior BB Georg Frisch leitete souverän durch den „würdigen Festkommers, der trotz seiner Länge wie im Flug verging“ und zog damit verdientermaßen in die Annalen des Bundes ein.

 

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Krambambulikneipe im Fuxenkeller 2010

 

Und so trat die Philisteria mercatura in das Zeitalter der Kommunikation und Information, in das Zeitalter der digitalen Welten, auf die Generation Golf folgte die Generation Facebook.  Einen Grund warum die Philisteria mercatura auch in der „Neuzeit“ überlebensfähig sein würde, beschrieb BB Siegbert Schilling bereits 1991: „Zur Tradition der Philisteria mercatura gehört die Vielseitigkeit des Verbandes. Ich erinnere mich nicht, dass die Philisteria mercatura jemals eine straff geführte, einheitlich ausgerichtete studentische Verbindung war; sie war vielmehr immer ein Abiturienten- und Absolventenverband, in dem sich vielerlei Interessen entfalten konnten. Das führte in der Vergangenheit zwar manchmal zu Meinungsverschiedenheiten unter den Mitgliedern bis hin zu Richtungskämpfen, doch unter dem Strich und auf lange Sicht gesehen hat die Philisteria mercatura nach meiner Überzeugung von dieser Vielfalt immer profitiert.“

Die Philisteria mercatura ging mit der Zeit und konnte sich auch in der letzten zurückliegenden Dekade ihrer Geschichte über regen Zulauf im Fuxenstall erfreuen. Dies darf mit tief empfundener Freude erklärt werden, ist dies in der heutigen Zeit alles andere als selbstverständlich. Die alte Tradition der Faschingsfeier erlebte insbesondere in den Neunzigern einen neuen Höhepunkt und veranlasste bis zu 500 ehemalige und aktive Schüler des Jakob-Fugger-Gymnasiums zum kostümierten Besuch des „Philisteria-Kellers“ in der Wintergasse 7. Die erste Internetplattform des Verbandes entstand 1999, mittlerweile wurde die Internetpräsenz durch eine vollfunktionale Homepage sowie ein interaktives Forum erweitert. Früher wie heute bietet das Verbandsleben neben Kneipen und Kommersen vielfältigste Betätigungsmöglichkeiten. Ob Altherrenabende oder Fuxenconvente, Wanderungen und Tagungen im Kreis der AKA, Besuche auswärtiger befreundeter Bünde im PSC, kulturelle Veranstaltungen, Vorträge und Museumsbesuche im Veranstaltungskreis, Hüttenwochenenden, Skifahrten, Kegelkneipen, Fußball-, Schafkopf- und Pokerturnieren, Tabakkollegien, LAN-Party-Abende (Computerspieleabende) als auch Brettspieleabende, Paintball und Wasserskiaktivitäten, Kindernikolaus – das Angebot ist groß.

 

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Landkneipe an der alten Stadtmauer 2011

 

Die Philisteria mercatura zählt im Jubeljahr 2011 etwa 300 aktive Mitglieder. Garanten der nun 125 jährigen Tradition sind ein ausgeprägter Freiheitsgedanke, ein tolerantes Miteinander sowie eine offene und moderne Haltung, ohne jedoch die Vergangenheit zu vergessen. „Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derjenigen die die Welt nicht angeschaut haben“. Dieser wunderbare Satz stammt von Alexander von Humboldt und trifft  wie so vieles heute zu, wie es auch schon gestern zutraf und wie es morgen zutreffen wird. Die moderne Welt ist, man mag es mögen oder nicht,  schnelllebig und anonym aber auch frei und vernetzt – eine Konstante jedoch bleibt: Der generationenübergreifende Freundschaftsbund unserer lieben Philisteria mercatura! Und welcher Ort wäre wohl besser geeignet, kommt man zurück von langer Reise, aus fremden Städten und Ländern, von Studienaufenthalten oder entfernten Arbeitsplätzen, als ein gemütlicher Keller, gefüllt mit Freunden und einem Krug Bier zur Seite?

Darum gereicht denen, die alle Stürme überdauern, dies wohl nicht zu geringem Lob“, schrieb unser BB August Diem im Jahre 1907 voller Stolz über das 20jährige Bestehen seiner Philisteria mercatura – was er wohl heute am 125sten Jubelfest sagen würde?

 

Wem der große Wurf gelungen, eines Freundes Freund zu sein,…

Vivat, crescat, floreat! Philisteria mercatura

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